Bericht aus dem Lokalboten
„Aus Abschied wird Aufbruch – Kapelle Gerkerath erhält eine neue Zukunft 07.09.2026 WICKRATH Von Redaktion Foto: Archiv Gerkerath.
Ein Ort mit Geschichte beginnt ein neues Kapitel: Am Samstag, 26. September 2026, um 18.30 Uhr, wird in der Kapelle St. Johannes der Evangelist in Gerkerath die letzte Heilige Messe als geweihter Kirchenraum gefeiert. Im Rahmen dieses Gottesdienstes wird Dompropst Rolf-Peter Cremer die Kapelle feierlich entwidmen. Im Anschluss lädt der Förderverein der St. Johannes Kapelle Gerkerath e.V. alle Besucherinnen und Besucher zu einer Begegnung ein.
Eine Entwidmung bedeutet das Ende der Widmung als sakraler Raum. Sie bedeutet jedoch nicht das Ende dieses besonderen Ortes. Im Gegenteil: Für die Kapelle beginnt eine neue Zukunft, die Glauben, Gemeinschaft und Kultur miteinander verbinden möchte. Die Zukunft der Kapelle war in den vergangenen zweieinhalb Jahren immer wieder Thema intensiver Gespräche – innerhalb der Kirchengemeinde, im Dorf und auch in der öffentlichen Berichterstattung. Viele Menschen haben sich mit großem Engagement für den Erhalt der Kapelle eingesetzt. Die unterschiedlichen Sichtweisen machten deutlich, wie wichtig dieser Ort für Gerkerath ist. Umso größer ist die Freude darüber, dass es gelungen ist, gemeinsam eine tragfähige Lösung zu entwickeln. Bereits im Frühjahr haben sich die Katholische Kirchengemeinde St. Matthias und der Förderverein darauf verständigt, die Kapelle für den symbolischen Kaufpreis von einem Euro an den Verein zu veräußern. Nun wird vertraglich vereinbart, dass die Kirchengemeinde ein Rückkaufsrecht behält, falls der Förderverein die Kapelle eines Tages nicht mehr nutzen oder veräußern möchte. Auch der Platz vor der Kapelle wird dem Kapellenverein langfristig verpachtet. Mit dieser Entscheidung übernehmen engagierte Menschen aus Gerkerath Verantwortung für einen Ort, der das Dorf seit Generationen prägt. Gleichzeitig eröffnen sich neue Möglichkeiten. Als Eigentümer kann der Kapellenverein künftig Fördermittel beantragen, die der Kirchengemeinde bislang nicht zugänglich waren. Das schafft gute Voraussetzungen, die Kapelle dauerhaft zu erhalten und behutsam weiterzuentwickeln. Die Vision des Fördervereins ist es, die Kapelle als offenen Begegnungsort zu gestalten. Neben Gottesdiensten und geistlichen Angeboten sollen künftig auch Konzerte, Lesungen, Ausstellungen, Vorträge und weitere kulturelle Veranstaltungen stattfinden. Die Kapelle soll ein Ort bleiben, an dem Menschen zusammenkommen – für den Glauben ebenso wie für das Miteinander im Dorf und darüber hinaus. Hierzu Tim Niklas Pérez Manzano, vom Förderverein: „Hinter uns liegen Jahre, in denen keineswegs sicher war, wie es mit unserer Kapelle weitergeht. Es gab schwierige Gespräche, unterschiedliche Vorstellungen und Momente,
in denen wir uns eine andere Zusammenarbeit gewünscht hätten. Umso wichtiger ist, dass wir heute gemeinsam nach vorne schauen können. Viele Menschen haben gezeigt, welchen Stellenwert die Kapelle für Gerkerath und Umgebung hat. Mit der Übernahme geht nun eine große Verantwortung auf unseren Verein über und die eigentliche Arbeit beginnt erst. Wir wollen die Kapelle behutsam erhalten und zu einem offenen Ort für Glauben, Kultur und Begegnung weiterentwickeln.“ Auch Thorsten Aymanns, Leitender Pfarrer der Katholischen Kirchengemeinde St. Matthias blickt nach vorn: „Die vergangenen Monate haben gezeigt, wie sehr den Menschen in Gerkerath ihre Kapelle am Herzen liegt. Dass aus zum Teil unterschiedlichen Vorstellungen am Ende eine gemeinsame Perspektive entstanden ist, freut mich sehr. Eine Entwidmung ist kein Schlusspunkt, sondern der Beginn eines neuen Kapitels – getragen von dem Wunsch, diesen Ort auch für kommende Generationen lebendig zu halten. Ich danke denen, die bisher und über viele Jahre Verantwortung für die Kapelle übernommen und viel Engagement in die Pflege des Ortes gesteckt haben. Ich danke allen, die jetzt breit sind, neu Verantwortung zu übernehmen.“ Die Zusammenarbeit zwischen der Katholischen Kirchengemeinde St. Matthias und dem Förderverein zeigt, wie neue Wege entstehen können: Kirche und engagierte Bürgerinnen und Bürger übernehmen gemeinsam Verantwortung. So verbindet sich kirchliche Tradition mit bürgerschaftlichen Engagement, kultureller Vielfalt und neuen Möglichkeiten für das Dorf. Stephanie Schippers, Gemeindereferentin und Mitglied des Leitungsteams der Katholischen Kirchengemeinde St. Matthias: „Ich wünsche mir, dass die Kapelle auch künftig ein Ort bleibt, an dem Menschen zusammenkommen – zum Beten, zum Feiern, zum Nachdenken und zur Begegnung. Vielleicht wird manches anders sein als bisher. Aber wenn dadurch neues Leben entsteht und Menschen diesen Ort weiterhin als wertvoll erleben, dann ist das ein großer Gewinn – für Gerkerath und weit darüber hinaus.“ Zur Entwidmungsfeier am 26. September 2026 um 18.30 Uhr sind alle Interessierten herzlich eingeladen. Im Anschluss besteht bei einem
gemütlichen Beisammensein Gelegenheit, Erinnerungen zu teilen, miteinander ins Gespräch zu kommen und gemeinsam auf die Zukunft der Kapelle zu blicken. Am 26.9.2026 stehen Vertreterinnen und Vertreter von Förderverein und Kirchengemeinde im Anschluss an den Gottesdienst gerne zum Gespräch zur Verfügung.“
